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Mehr Praxisbezug im Medizinstudium
Nicht nur in den ländlichen Regionen gibt es das Problem des Ärztemangels. Jedes vierte Krankenhaus kann die Ärztestellen nicht besetzen, warnten die Delegierten des 113. Deutschen Ärztetages in Dresden. Es muss die Attraktivität des Arztberufes gesteigert werden, um den seit Jahren zu verzeichnenden Abwanderung junger Medizinabsolventen in andere Berufsfelder zu verringern. Schon bei der Organisation des Medizinstudiums sollten die entsprechende Weichenstellung vorgenommen werden. Daher sollten Studierende frühzeitig den Kontakt zu Patienten bekommen und in Kommunikations- und Teamfähigkeit geschult werden. Der wissenschaftliche Anspruch an das Medizinstudium und die gestiegenen Anforderungen an ein komplexes Krankheitsverständnis und multimodale Therapiekonzepte seien mit einer eventuellen Umstellung auf eine Bachelor-Master-Strukur nicht vereinbar, stellte der Ärztetag klar.
Die Bedarfsplanung für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten und die Krankenhausplanung in Deutschland muss neu geregelt werden, damit eine ärztliche Versorgung flächendeckend sichergestellt ist. Das Ärzteparlament warnte, dass bereits jetzt schon in ländlichen Regionen und städtischen sozialen Brennpunkten eine Unterversorgung besteht. Besonders ältere, chronische und mehrfach erkrankte Patienten sind betroffen. In Zukunft soll die Bedarfsplanung deshalb sektorübergreifend und populationsbezogen organisiert werden.
Vertretern der Landesärztekammern, der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Landesministerien und der Landeskrankenhausgesellschaft unter Beteiligung der Landesverbände der Krankenkassen sowie der Patientenvertreter wollen zur Verbesserung der Koordination der Versorgung einen Regionalverband gründen. Diesen Vorschlag hatte bereits die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemacht. Die Delegierten wiesen darauf hin, dass die Ärztekammern wegen ihrer sektorübergreifenden Zuständigkeit hierbei eine ''unverzichtbare Scharnierfunktion'' übernehmen sollten. Eine Übernahme des Sicherstellungsauftrags für die ambulante Versorgung durch die Länder lehnte der Ärztetag strikt ab.
Im vertragsärztlichen Vergütungssystem seien auch Korrekturen nötig. Dieses müsse so weiterentwickelt werden, ''dass den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten endlich ein Ausstieg aus dem Hamsterrad der Fließbandmedizin möglich wird''. Das Delta zwischen wirtschaftlich erforderlichem Kalkulationspunktwert und derzeitigem Orientierungspunktwert müsse geschlossen werden. 250 Ärztetagsdelegierte forderten für den privatärztlichen Bereich die Gebührenordnung für Ärzte zu überarbeiten. Einen Vorschlag für eine Neubeschreibung des ärztlichen Leistungsspektrums und dessen Bewertung wurde von der Bundesärztekammer entwickelt.
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