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Pauken bis der Arzt kommt ist vorbei – Charité bietet neuartige Mediziner-Ausbildung an

Lange Jahre war die Berliner Charité mit ihrem Reformstudiengang Vorreiterin einer modernen Mediziner-Ausbildung. Leider kam nur ein Teil der Studierenden in den Genuss der Neuerung. Ab Herbst starten alle 300 Erstsemester mit dem neuen Modellstudiengang Medizin.

Die Kommission, die den neuen Medizinstudiengang entwickelt hat, stellte die Frage, was eigentlich ein guter Arzt ist. Die Lehrpläne und Prüfungsordnungen haben nicht nur Professoren, sondern auch vier Studierende geschrieben.

Oliver Wendt, einer der vier Studierenden erzählt, dass es sehr wichtig war, erst zu gucken, was ein Arzt in seinem späteren Berufsleben wissen muss, was er können muss, welche Haltung er entwickelt haben muss und dies dann auf die Inhalte des Studiums zuübertragen.

Manfred Groß, Prodekan für Studium und Lehre sagte, dass an der Charité weitere Bereiche hinzukommen, damit die Studierenden Fertigkeiten erwerben, lebenslanges Lernen lernen und Haltung entwickeln. Sie müssen lernen mit schwierigen Situationen umzugehen, wie sie im Katastrophenfall handeln, wie sie schlechte Nachrichten überbringen und wie sie mit Patienten umgehen müssen, all das wird Gegenstand dieses Corriculums sein.

Das reformierte Medizinstudium ist Bologna-kompatibel, d. h. es ist zwar zweigeteilt aber die Abschlüsse lauten noch nicht „Bachelor“ und „Master“, was sich in den nächsten Jahren allerdings ändern könnte. Im Gegensatz zur bisherigen Ausbildung werden die Studierenden vom ersten Semester an Kontakt mit Patienten haben.

Natürlich wird bei dem Patientenkontakt auf das Wissen der Studierenden geachtet, so dass die Patienten nicht gefährdet werden. Für die Studierenden soll es aber eine Motivation bringen.

Natürlich gibt es bei der Neuerung auch Problematiken. Da es ab Herbst drei parallel laufende Studiengänge geben wird, befürchten die schon Eingeschriebenen, dass sie ihr Studium nicht ordentlich zu Ende bringen können.

Manche Abiturienten wollen keine Versuchskaninchen sein und schrecken deshalb vor der Charité zurück. Zu Beginn wird der Modellstudiengang noch nicht Tip-Top geplant und organisiert ablaufen können.

Oliver Wendt rät, dass wenn man daran interessiert ist, ein tatsächliches Studium zu bekommen und nicht genau gesagt bekommen möchte an dem Tag musst du dahin, du musst das heute lernen und bis zum Ende des Semesters musst du das Buch gelesen haben, dann ist der „neue“ Studiengang genau Richtig und man sollte Mut haben und sich bewerben.

Möchte man allerdings während seines Studiums auch andere Unis kennen lernen, sollte man nicht an der Berliner Charité beginnen, denn durch die neue Zweistufigkeit und die Modelstruktur ist ein Wechsel schwierig.

Die Charité sichert sich sogar juristisch ab, indem alle Erstsemester unterschreiben müssen, dass sie freiwillig an dem Modellstudiengang teilnehmen.



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