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Hohe Dropout-Quote im Zweit-Studium
Statistiken belegen, dass viele, die beim ersten Anlauf scheitern, auch im Zweit-Studium nicht glücklich werden.
Mit wenig Begeisterung studiert Lucia Kultur- und Sozialanthropologie. Diese eher ausgefallene Studienrichtung ist nur ihre zweite Wahl. Eigentlich wollte sie Psychologie studieren. Seit 2002 gibt es dort aber Aufnahmetests. Nach dem Lucia sich zum Wintersemester 2009/2010 für Psychologie anmeldete, machte sie den Aufnahmetest und erhielt eineinhalb Monate später ein negatives Testergebnis. Ihr großer Berufstraum war geplatzt und sie musste sich für einen anderen Studiengang entscheiden.
Aufgrund der Zulassungsbeschränkungen an den Universitäten geht es Jahr für Jahr Tausenden so wie Lucia, die ihre Zukunftspläne noch mal über denken müssen.
Mehr Voranmeldungen als Plätze
Derzeit gibt es bei der Psychologie in Wien 1 700 Voranmeldungen, allerdings gibt es nur für 600 Studierende Plätze. Noch schwieriger sieht die Situation in Innsbruck und Salzburg aus. Neben geographischen Gründen herrscht auch reges Interesse und Andrang aus Deutschland. In Salzburg bekommt nur jeder Fünfte der 1000 Voranmeldungen einen von 200 Studienplätzen. Das Ministerium begründet die neu eingeführten Zugangsbeschränkungen auch mit dem Anteil ausländischer Studierender. Der Anteil ausländischer Studenten in Salzburg ist innerhalb von 3 Jahren von 36 % auf fast 48 % gestiegen.
Bei dem Medizinstudium sieht es noch schlimmer aus. Vor allem nach Innsbruck kommen viele Interessenten aus Deutschland. Mehr als 7 700 Testteilnehmer kämpften dieses Jahr um einen der begehrten Plätze an den drei medizinischen Fakultäten in Österreich. Aber nur 1 500 dürfen dann in Graz, Innsbruck oder Wien ihr Studium beginnen.
Unterfinanzierung
Was passiert mit denen, die gescheitert sind? Auswirkungen der Zugangsbeschränkungen an den Medizin-Unis sind die Anmeldezahlen der anderen Studienrichtungen. Die gescheiterten Bewerber studieren dann nicht Medizin sondern ähnliche Fächer wie Biologie, Pharmazie oder Psychologie, so ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Viele von denen, die ein Alternativstudium beginnen, brechen dies schon bald nach dem Beginn wieder ab. Maurer sieht darin ein großes Problem, denn das Grundübel sei die Unterfinanzierung und der Platzmangel an den Universitäten.
Zum Ersten Mal in diesem Jahr gibt es Zugangsbeschränkungen bei der Publizistik in Wien und der Kommunikationswissenschaft in Salzburg und Klagenfurt. An der Wirtschaftsuni in Wien gibt es beim Wirtschaftsrecht eine ein- bis zweisemestrige Eingangsphase, welche mit einem Auswahlverfahren endet.
Anmeldefrist läuft
Am 13. September findet zeitgleich an den drei Uni-Standorten der Aufnahmetest für die Publizistik statt. Anmelden kann man sich für diesen Test noch bis zum 18. August. Aber fest steht, dass es in Wien nicht mehr als 1123 Studienplätze geben wird. In Wien begannen letztes Studienjahr aber mehr als 1600 Menschen.
Zeitliche Koordination
Die Koordination für die Aufnahmetests scheint in diesem Jahr auf jeden Fall besser auszufallen als im Vorjahr. Pünktlich bis zum Studienbeginn sollten alle Zulassungsverfahren beendet sein, damit alle Studieninteressenten wissen, ob sie nun ihr gewähltes Fach beginnen dürfen. In Lucias Fall war dies nicht so, ihre Aufnahmeprüfung fand erst Anfang Oktober, also zu Studienbeginn, statt. Die Ergebnisse hat sie dann erst im November erfahren. Ganz klar antwortete sie, dass ihr Traum für das Psychologiestudium gestorben ist.
Zahlen und Daten zu den Unis
Im Wintersemester 2009 waren 273 678 Menschen an Österreichs Universitäten registriert. Mit 53,4 % sind die Studentinnen in der leichten Überzahl, 61 832 der Studierenden sind Ausländer.
1 641 der Studierenden schrieben sich für Publizistik und Kommunikationswissenschaften ein. Darauf folgt Biologie mit 1 091 Studierenden und Theater-, Film- und Medienwissenschaften mit 928. Bei den öffentlichen Universitäten gibt es derzeit in vier Studienrichtungen Aufnahmeprüfungen. Jeder der Medizin studiert, muss den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS-Test) bestehen. Das formal-analytische Denken wird bei dem Test zur Zulassung zum Psychologie-Studium getestet. Bei Publizistik- und Kommunikationswissenschaften gibt es Multiple-Choice-Fragen, künstlerische Studien testen ihre Bewerber auf ihre kreativen Fähigkeiten hin.
Wissenschaftsministerin Beatrix Karl will die Bewerber der überlaufenden Studiengänge in die weniger besuchten, die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bringen. In nur 20 der insgesamt 203 Uni-Studien finden 60 % der Einschreibungen statt. Nur wenig Interesse gibt es bei Informatikfächern, wo der Bedarf an Arbeitskräften deutlich größer als das Angebot ist.
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