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Medizinstudium nur mit Traumnote?

Durch den doppelten Abiturjahrgang könnte der Numerus clausus für das Medizinstudium auf 1,0 springen. Prof. Cornelius Frömmel, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Göttingen warnt, dass wenn sie nichts unternehmen, nur noch Bewerber mit einem Durchschnitt von 1,0 einen Platz erhalten.

In Niedersachsen gibt es durch den doppelten Abiturjahrgang im kommenden Jahr neue Probleme. Der Andrang auf Studien- und Ausbildungsplätze wird vermutlich ansteigen, da der Wehr- und Zivildienst weg fällt. Deshalb will das Land vermutlich schon in der kommenden Woche in der Kultusministerkonferenz über mögliche neue Anstrengungen reden. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka von der CDU sagte im Landtag, dass es bisher schwer sei zu kalkulieren, wie sich die Situation verändern wird. Vor allem beim Medizinstudienplatz könnte es zu Problemen kommen, Zulassungsbedingungen könnten sich deutlich verschärfen und es könnte räumliche Engpässe geben.

Im Frühsommer werden in Niedersachsen ca. 100 000 Schüler die Schulen verlassen. Durch den doppelten Abiturjahrgang sind das 25 000 mehr als sonst. Wanka erklärte im Parlament, dass sie bestens darauf vorbereitet seien. Die Regierung geht bislang von Erfahrungswerten aus und demnach ist die Hälfte der Abiturienten zum Studium entschlossen. Die Hälfte von denen startete aber bereits ein Studium im Jahr der Hochschulreife. Die 5 000 zusätzlichen Studienplätze, die für 2011 geschaffen werden, sollen die hohe Nachfrage auffangen. „Jeder der hier studieren will, soll das auch tun können“, betonte Wanka. Der von Bund und Ländern gemeinsam getragene Hochschulpakt sieht Investitionen für weitere Studienplätze auch in den Folgejahren vor. 35 000 neue Studienplätze soll es in den kommenden fünf Jahren geben. Es kann natürlich auch sein, dass es 2011 durch den Wegfall des Wehr- und Zivildienstes einen höheren Bedarf an Studienplätze geben wird.

Ein Aktionsplan für zusätzliche Ausbildungsplätze ist mit der Wirtschaft vereinbart worden, so Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) und Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Außerdem sind 3 000 weitere Möglichkeiten für Schulabgänger geplant, um sich für einen Beruf zu qualifizieren. Gerade für Haupt- und Realschulabgänger soll es eine bessere Vorbereitung auf ihre berufliche Zukunft geben.

Die Opposition zeigt sich mit den Schritten der Regierung unzufrieden. Gerade für die starke Nachfrage an Medizinstudienplätze sollte Niedersachsen zusätzliche Studienplätze einrichten. Bundesweit liegt das Land bei der Humanmedizin mit knapp sechs Prozent unter dem Durchschnitt, umgekehrt ist es in der Tiermedizin. An niedersächsischen Hochschulen, wird ein Drittel aller Veterinäre ausgebildet.

Bisher hat sich noch kein Bundesland dafür entschieden, neue Medizin-Studienplätze anzubieten, erläuterte Wanka. In den neuen Ländern seien sogar noch freie Kapazitäten bei der Arztausbildung vorhanden, betonte die Ministerin. Andretta antwortete darauf, dass sie ihre Ärzte nicht in anderen Ländern ausbilden lassen könnten.

Schon jetzt braucht man ein sehr gutes Abitur um Medizin studieren zu können. Aber im kommenden Jahr wird wohl nicht mal mehr ein Durchschnitt von 1,5 für eine Zulassung reichen. Die Zulassungsvoraussetzungen für Medizinstudenten könnten durch die doppelten Abiturjahrgänge und möglichen Aussetzungen des Wehrdienstes verschärft werden, befürchten die Unis in Niedersachsen. Wenn nichts unternommen wird, wird der Numerus clausus durch die Decke schießen und es können nur noch Bewerber mit einem Durchschnitt von 1,0 einen Platz bekommen, warnt der Dekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Göttingen, Prof. Cornelius Frömmel.

Im Wintersemester 2011/2012 will man daher die Zahl der Medizinstudienplätze aufstocken. Da die Fakultät aber schon jetzt mit 140 Studienanfängern pro Semester überlastet ist, wirbt Dekan Frömmel für eine ungewöhnliche Maßnahme. Studierende sollen daher den praktischen Teil ihrer Ausbildung erstmals auch an anderen Krankenhäusern absolvieren können. Dadurch könnte die Zahl der Studienplätze auf 210 steigen. In Hannover bleibt es bei 275 Plätzen. Die Uni Oldenburg plant einen Bachelor Studiengang Medizin einzuführen. Im November soll die Zustimmung vom Wissenschaftsrat vorliegen. Für den Doppeljahrgang 2011 kommt dies zu spät.

Durch den Wegfall der Wehrpflicht wird an der Leibniz Universität Hannover mit einem zusätzlichen Bewerberanstieg von 10 – 20 % zu den schon gestiegenen Zahlen des Doppeljahrgangs gerechnet. Eine Sprecherin sagte, dass sie vor Panikmache warnen. In vielen Studiengängen wie z. B. Ingenieur- und Naturwissenschaften wird es 2011 weiterhin freie Plätze geben. Auch Prof. Heike Fassbender, Vizepräsidentin der Technischen Universität Braunschweig äußerte sich ähnlich. Dennoch kann es zu Engpässen bei den Hörsälen oder Laboren kommen. Denn schon jetzt müssen die Professoren aus Platznot im Filmsaal des Cinemaxx oder in einen provisorisch aufgestellten Container auf dem Campus Vorlesungen abhalten.

In welchem Umfang die Zahl der Studienanfänger durch den Wegfall des Wehrdienstes steigen könnte, ist noch unklar. Rund 2 100 Abiturienten werden jährlich zum Wehrdienst eingezogen, allerdings ist die Zahl der Wehrpflichtigen viel höher. Über die Zahl der Zivildienstleistenden gibt es keine Angaben.

Durch den Doppeljahrgang wird es rund 5 000 zusätzliche Bewerber für eine Ausbildung geben. Eine Sprecherin der Arbeitsagentur sagte, dass die Auswirkungen auf den Wegfall des Wehrdienstes in einem überschaubaren Rahmen bleiben. Nach Angaben der Handwerkskammer Hannover freut man sich über jeden Abiturienten, der eine Lehre macht, so Carl-Michael Vogt, der bei der Kammer für berufliche Bildung zuständig ist. Groß sei die Hoffnung allerdings nicht. Im Saarland sei durch den Doppeljahrgang genau ein Ausbildungsvertrag mehr mit einem Abiturienten im Handwerk abgeschlossen worden.

Gymnasiasten streben eher eine berufliche Zukunft im industriellen Bereich an. Sprecher Werner Fricke sagte, dass die Unternehmen verstärkt Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen würden, um den Ingenieurmangel zu beheben. Damit mehr Abiturienten naturwissenschaftliche Fächer studieren, wirbt der Verband in den Schulen dafür.

Jedes dritte Unternehmen will laut einer Umfrage der IHK Hannover im kommenden Jahr zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Schon jetzt bleiben viele Lehrstellen unbesetzt.



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