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Weil sie Ärzte werden wollten
Der Medizinertest in Österreich fragt nicht nach Noten – die letzte große Hoffnung für viele deutsche Bewerber
Dominic Gerstmeyr kann seinen bei Platz dem österreichischen Medizintest nicht finden, an dem er beweisen soll, dass er das Zeug dazu hat Arzt zu werden. In Deutschland könnte er vermutlich nie Medizin studieren. Im vergangenen Jahr lag der Numerus Clausus bei 1,0 und auf seinen Abizeugnis steht eine 2,2, für ein Medizinstudium viel zu schlecht. Deshalb ist er mit Tausend anderer, bei denen es auch nicht reicht hier, ihre große Hoffnung ist das österreichische System. Dutzende Helfer sorgen dafür dass nur Bewerber auf das abgezäunte Gelände kommen. Das Tiroler Rote Kreuz bezog Stellung auf den Parkplatz, denn jedes Jahr kippen vor Aufregung ein paar Bewerber um. In Halle 4, groß wie fünf Turnhallen, sitzen die meisten Bewerber. Vizerektor Norbert Mutz trifft es jedes Jahr auf neue, dass sich so viele diesen Test antun. Er schlendert lächelt durch die Tischreihen um Zuversicht zu verströmen. Er kennt alle Symptome: hektisches Stiftespitzen, noch mal aufs Klo rennen, kichern, beten. ''Nervositas permagna'', lautet seine Diagnose. Draußen sagte er: ''Der Test ist grausig. Aber es gibt nichts Besseres.'' Niemand mag den Stress, die Prüfung und die strikte Auswahl. Der Vizerektor findet es besonders schlimm, dass der Eignungstest (EMS) für das Medizinstudium viele Träume platzen lässt. Der EMS wurde 2006 eingeführt und sollte die Unis in Österreich vor deutschen NC-Flüchtling schützen. Die Regelung, dass Deutsche nur mit Zusage einer deutschen Uni in Österreich studieren können, wurde 2005 vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Das Problem der Universitäten in Österreich war nun nach welchem Kriterium sollten sie die Zulassungen verteilen? 2005 wurden die Plätze nicht nach Noten sondern nach Datum des Poststempels vergeben, eine einmalige Notmaßnahme. Es wären 84 Prozent der Plätze an Deutsche gegangen, so waren es fast die Hälfte. Jetzt gibt es die Quote und alle müssen den Test machen. Eine der Aufgaben heißt: „Planen und Organisieren“. Die Bewerber müssen für eine Segelschule eine Lerngruppe mit mehreren Teilnehmern organisieren oder den Kursplan aufstellen. ''Figuren und Fakten lernen'' prüft, ob man in kurzer Zeit Namen, Alter, Krankheit und Beziehungsstatus von Patienten lernen und sich so merken kann, dass man sie auch nach einer Stunde noch weiß. Die Zeit ist knapp, die Bewerber haben fünf Stunden Zeit für 198 Aufgeben. Die Punkte und die Quote entscheidet wer am Ende einen Studienplatz bekommt. Es gibt 360 Plätze in Innsbruck für Humanmedizin, 20 Prozent gehen an EU-Bürger. Das macht 72 Plätze, auf die deutsche Bewerber spekulieren. Alexander Jürgens ist schon zum zweiten Mal dabei. Er studiert in Deutschland BWL, wollte aber Mediziner werden. Seine Noten haben ihm den direkten Weg zum Studienplatz verbaut. Andere Alternativen wären ein deutschsprachiges Studium in Ungarn oder ein englischer Studiengang in Riga oder Prag aber sie wären für ihn zu teuer. Ein Jahr kostet zwischen 7000 und 12000 Euro. Deshalb hat er sich für den österreichischen Medizintest gründlich vorbereitet. Letztes Jahr waren es 2800 Bewerber, die zum Test in Wien antraten. „Eine Massenabfertigung, wie am Flughafen“, erzählte er und das er damals sehr nervös war und gleich danach wusste das es nichts geworden ist. Um es dieses Jahr besser zu machen, fuhr er schon im April nach Innsbruck und kopierte sich drei Vorbereitungsbücher und besuchte einen Trainingskurs, er lernte neben BWL, wie man sich Patientenakten am besten merkt.
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